Hallo liebe Leserinnen und Leser,
es ist Donnerstag und ich habe hier schon wieder viel erlebt.
Am Montagabend erzaehlte mir Maria von ihrem Glauben. Er ist nicht katholisch in unserer Art, sondern viel mehr auf die alte Inca-Kultur bezogen. Die Menschen hier, so sagte Maria, glauben daran, dass Pachamama, "Mutter Erde", lebt und geehrt werden muss. Im August gibt es hier auch eine Art Erntedankfest, bei dem ein Teller am Tisch nur fuer die Erde bereitet wird, von dem keiner essen darf. Dabei danken die Menschen dann dafuer, dass die Erde ihnen den Platz zum Leben und die rohstoffreichen Gebiete hier geschenkt hat.
Mir gefaellt diese Denkweise sehr, da man so demuetiger fuer das wird, was man hat, und nicht immer nach mehr streben muss.
Direkt darauf fuegte Maria aber auch hinzu, dass die Erde fordernd sein kann, wie im Fall ihrer Tochter Alejandra. Diese wurde immer kreideweiss und musste sich uebergeben, sobald sie das Haus betrat. Der Arzt verschrieb Alejandra alle moeglichen Arzneien, gegen Migraene, Fieber und andere Krankheiten. Doch keine dieser Medikamente half. In ihrer Angst wandte sich Maria an eine Freundin, die ihr antwortete: "Hast du schon einmal daran gedacht, dass der Erde gedankt werden muss? Die Erde moechte Opfer bereitet haben, ansonsten wird sie sich Alejandra als Opfer holen, sie wird also sterben!" Maria glaubte an das, was ihre Freundin ihr sagte, und bestellte einen Inca-Priester - diese leben meistens in indigenen Doerfern noch hoeher in den Anden - in ihr Haus. Dieser bereitete die Messe vor, waehrend die ganze Familie sehr ernst am Tich sass. Nachdem der Erde verschiedene Gaben bereitet wurden und jeder Pachamama dankte, sagte der Priester, dass nun die Mutter Erde zufrieden gestellt sei. Ab diesem Zeitpunkt konnte Alejandra sich ganz normal im Haus bewegen, ohne jemals wieder Anzeichen dieser Krankheit zu zeigen.
Doch nicht nur Inka-Priester gibt es hier, sondern auch Hexer. Es sei laut Maria aber sehr wichtig, wahre Hexer zu finden, die ebenfalls in kleinen Andendoerfern wohnen, da es viele Nachahmer gibt, die gar nicht heilen koennen. Ich selbst halte von so etwas nicht viel, dennoch liess mich die folgende Geschichte stutzig werden:
Marias Bruder wurde im Alter von ca 30 Jahren verrueckt, hatte psychische Probleme. Genauer gesagt, er schlafwandelte vermutlich. Jede Nacht ging er aus dem Haus und brachte den ganzen Muell aus der Strasse ins Haus. Das Ganze lief schon 8 Monate so ab; 8 Monate, in denen Maria und die restliche Familie verzweifelten, Aerzte konnten nichts diagnostizieren, und in der Psychatrie wollten sie ihren Bruder nicht lassen, da sie fest davon ueberzeugt waren, er wuerde dort noch verrueckter werden. Ueber eine Bekannte erreichte Maria einen Hexer, den sie zu sich ins Haus einlud. Jedoch wurde diesem Hexer nicht gesagt, was das Problem sei; lediglich, dass seine Hilfe gebraucht werde. Im Haus angekommen, legte der Hexer auf dem ganzen Tisch Coca aus. Nach einer kurzen Zeit, in der er den Coca begutachtete, erzaehlte er allen Beteiligten zunaechst das genaue Problem des Bruders - dass er seit mehreren Monaten nachts Muell ins Haus trage und er keine Hilfe durch die Medizin erlange -, was schon unglaublich ist, sowie einen Loesungsansatz, an den ich selbst mich allerdings nicht mehr genau erinnerte. Ich meine aber, dass im Garten etwas gepflanzt werden musste, fuer Pachamama. Von dieser Nacht an gab es keine mehr, in der Marias Bruder nachts schlafwandelte oder ein derartiges Verhalten aufzeigte.
Nun glaube ich nicht daran, dass die Erde "lebt" bzw fordernd sein kann, noch weniger glaube ich an Hexer oder ihresgleichen. Trotzdem - diese Geschichten waren sehr glaubwuerdig erzaehlt und ich weiss auch, dass meine Gastmama mir nie luegen erzaehlen wuerde. Ich habe mir bis heute noch keinen Reim daraus machen koennen, was sich dort wirklich zugetragen hat. Jedenfalls glauben die Menschen hier, dass ihnen solche Priester und Hexen in manchen Faellen viel sicherer helfen koennen als die Medizin, die hier sehr teuer ist. Fuer jede Behandlung muss man im Voraus bezahlen. Sicherlich ein Grund dafuer, dass sich diese Wunderheiler einer grossen Popularitaet erfreuen. Ihre Hilfe kostet zwar auch Geld, jedoch koenne man sich bei ihnen sicher sein, geheilt zu werden.
Gut, nun mal genug von diesen Geschichten, denn ich habe auch noch anderes erlebt! Zum Beispiel liefen Arcadio und ich in unserer Mittagspause am Montag zum Hauptplatz, wo gerade zufaellig eine Parade stattfand. Soweit ich meinen Gastvater verstanden habe, war sie zum Jahrestag des oertlichen Marktes. Es war sehr schoen, so viele Menschen in traditioneller Kleidung zu sehen:
Am Dienstagnachmittag traf ich mich mit Till und Henry - zwei weiteren Freiwilligen hier in Urubamba -, um auf einen nicht weit entfernten Berg zu wandern. Nach anfaenglichen Problemen dabei, den Weg zu finden, dauerte es ungefaehr eine Stunde, um am Gipfelkreuz anzukommen.
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| Neben den Serpentinen fuehrte uns ein steiler Weg nach oben, jedoch fanden wir spaeter heraus, dass es der Weg fuer Downhill-Biker ist. Wir liefen dann groesstenteils die Serpentinen entlang. |
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Ziel erreicht!
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| Der Blick ueber das Urubamba-Tal |
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| Oben angekommen ueberquerten wir dann noch einen kleinen Bergkamm. |
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| Der Ausblick in die andere Richtung. Es entschaedigt fuer alle Anstrengungen beim Auf- und Abstieg! |
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| Das obligatorische Bild zum Abschluss - KGA in Peru! |
Am Wochenende haben wir ein Turnier in Calca und Urubamba. Insgesamt warten auf mich sechs Spiele, wenn ich mir es richtig gemerkt habe. Sicherlich wird es sehr anstrengend, zumal alle Spiele in normaler Laenge sind! Ich hoffe, trotzdem die Zeit zu finden, einen Blog-Eintrag zu schreiben.
Bis dahin, viele Gruesse
Euer Pascal