Donnerstag, 30. Oktober 2014

Durch den Dschungel zu Machu Picchu

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

ich lebe noch! Und ich habe auch vor, diesen Blog weiterzuschreiben. Dies sei fuer alle gesagt, die daran gezweifelt haben, sich Sorgen um mich gemacht haben oder einfach sehnsuechtig auf den naechsten Eintrag gewartet haben. Entschuldigung an Euch, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Dafuer folgt nun der Bericht zu unserer Reise nach Machu Picchu. Der Grossteil der Bilder, die dabei sind, sind von Tills Kamera. Daher bin ich auf auf einigen von ihnen zu sehen! :-) Ich habe unglaublich viel gesehen, gehoert und erlebt. Hoffentlich kann ich diese Eindruecke nun auch gut an Euch weitergeben. Viel Spass! 

Tag 1:
Die letzten Vorbereitungen 
Am Freitagmorgen wurden wir mit dem Bus auf den nebligen Abra Malaga gebracht, von dessen Spitze wir die Strasse herunterfuhren. Wir starteten bei sehr kalten Temperaturen, was sich jedoch im Laufe der Fahrt sehr schnell aenderte. Schon nach einer guten Stunde war es um 20 Grad warm, es war verrueckt, diesen Temperaturwechsel so deutlich zu spueren. Der Ausblick bei der Abfahrt war einzigartig, wir hielten auch einmal zwischendurch, um Fotos machen zu koennen. 

Die 50km Strecke vergingen bedingt dadurch, dass wir nur abwaerts fuhren, sehr schnell. Nach knapp 2 Stunden kamen wir zum Kontrollpunkt, von dem aus wir nach Santa Maria gebracht wurden. Auf dem Weg sahen wir einige sehr einfache Doerfer, teilweise nur aus weniger als 5 Haeusern bestehend. Sie leben deutlich einfacher als z.B. in Urubamba. In Santa Maria angekommen konnten wir kaum 10 Minuten aus dem Hostel gehen, da der Ort von Muecken bewacht wurde. So blieben wir den fruehen Abend im Hostel und spielten mit zwei Australiern, die bei der Tour dabei waren, Perus beruehmtes "Juego de Rana", bei dem man Muenzen in den Mund eines Frosches werfen muss. Wir gingen frueh ins Bett, da wir am naechsten Tag schon um 6:30 aufbrechen wollten.
Unser kleiner Kollege beim Mittagessen
Santa María

Tag 2:
Hier galt zum ersten Mal der von der Agentur ausgeschriebene Satz "Willkommen im Dschungel"! Die Wanderroute nach Santa Teresa fuehrte uns zunaechst eine staubige Strasse entlang, relativ bald aber ging es feldeinwaerts in den Wald, das alles bei grosser Hitze. Begleitet von sehr vielen, sehr lauten Zikaden liefen wir an Kokaplantagen vorbei, sahen grosse Bananenstauden und weitere Pflanzen. 





Unsere Pause legten wir an einem Haus ein, in dessen Hof ein kleiner Affe herumsprang. Er war leider angebunden, damit er nicht weglaeuft. Es war wirklich sehr heiss, weshalb wir viel Wasser sowie Bananen zu uns nahmen, und darauf achteten, oft genug zu pausieren. Auf der Strecke erklaerte uns unser Guide Caesar einiges ueber die verschiedenen Wege der Inca zu Machu Picchu, waehrend wir langsam aber sicher dem Ort naeherkamen, in dem wir Mittagessen bekamen. Zu der Pause gehoerte nach dem Essen auch ca eine halbe Stunde Entspannung in den Haengematten, die dort schon hingen. 

Kurze Pause auf dem Weg
Gegen 13 Uhr ging es weiter, ca drei Stunden Wanderung entlang des Flusses in Richtung Santa Teresa. Auch hier war die Ansicht wundervoll. Besonders gut gefiel mir, dass auf der Strecke, im Gegensatz zu dem ueberlaufenen Inca Trail, weit und breit keine anderen Wandergruppen zu sehen waren. Zu den "Highlights" auf diesem Weg gehoerten sicherlich die wackelige Bruecke, die ueber den Fluss fuehrte, sowie das Cable Car, mit dem wir erneut die Seite wechselten. Insgesamt war der Weg hier sehr naturbelassen, und kaum von Menschenhand veraendert.

Cable Car - yeah !!!
Eine extrem wacklige Bruecke


















Am fruehen Abend kamen wir dann bei den heissen Quellen von Cocalmayo an. Es tat sehr gut, nach dieser langen Wanderung einfach im Becken zu entspannen und dabei auf die Berge aussenherum zu blicken. Knapp zwei Stunden verbrachten wir hier, nachdem wir das Becken verliessen, begingen wir allerdings den Fehler, uns nicht mit Insektenschutzmittel einzuspruehen, weshalb ich an diesem Abend gerade am Knoechel viele Stiche bekam. Abends besprachen wir den Plan fuer den naechsten Tag und gingen bald schlafen.

Blick auf die heissen Quellen von Cocalmayo

Tag 3: 
Wir wachten bei prasselndem Regen auf - schlecht fuer unseren Plan, von Santa Teresa nach Hydroelectrica, dem Ort des Mittagessens, zu laufen. Caesar, unser Guide, schlug uns vor, den Bus zu nehmen. Da es jedoch beim Fruehstueck schon nicht mehr regnete, beschlossen wir fuenf Volontaere, zu laufen. Ueberraschend war fuer uns nun, dass Caesar, anstatt mit uns zu laufen, uns sagte, er werde mit den zwei Australiern den Bus nehmen. Sollte uns irgendetwas passieren, sei es nicht seine Schuld, und wir muessen gut aufpassen. Es war ziemich verantwortungslos von ihm, zumal die Wanderung ganz normal von der Agentur angegeben wurde. Wir hatten eher das Gefuehl, als wuerde er hier immer den Bus nehmen, aus welchem Grund auch immer.



Eine bewoelkte Angelegenheit




Jedenfalls liefen wir gute zwei Stunden, jedoch wurde die Wanderung durch den nach einer Stunde wieder einsetzenden und immer staerker werdenden Regen deutlich erschwert. Trotzdem bereute es keiner von uns, diese Strecke gelaufen zu sein, da wir so einen genialen Blick auf Hydroelectrica hatten. Dieses gigantische Wasserwerk versorgt die gesamte Region Cuscos, sowie halb Arequipa mit Strom, durch kuenstliche und natuerliche Wasserfaelle.


Nach dem Mittagessen im kleinen Restaurant liefen wir immer entlang der Bahnschienen, um in Aguas Calientes, dem Ort unterhalb Machu Picchus anzukommen. Caesar erzaehlte uns wirre Theorien darueber, dass die Ruinen selbst nicht von den Inca, sondern teis von den Megalith und Aliens gebaut wurden, und zwar in einer Nacht. Das lasse man sich mal auf der Zunge zergehen. Dennoch fuehrte er uns sicher den Weg entlang. 

Zug nach Aguas Calientes
Unglaublich, aber dort oben kann man wirklich entlannglaufen
Hier merkte ich aber schon richtig, wie kaputt ich eigentlich war. Besonders die letzte Stunde vor unserer Ankunft war sehr anstrengend, und als wir dann endlich durch das SEHR touristische Aguas Calientes liefen und kurz darauf die Schluessel zu unserem Zimmer bekamen, fielen wir alle in unsere Betten. Die Erkundungstour durch den Ort lieferte interessante Erkenntnisse: Dadurch, dass alle Touristen, die hoch zu den Ruinen wollen, normalerweise eine Nacht in Aguas Calientes verbringen oder wenigstens dort essen, ist alles unglaublich teuer. Wir sind es mittlerweile gewoehnt, fuer 5 Soles, umgerechnet weniger als 2 Euro, ein Menu mit Suppe, Hauptspeise, Getraenk und Nachspeise zu bekommen. Umso schockierender war es dann, als wir die "Menu turistico" fuer 20 Soles oder mehr sahen, die zudem noch viel kleiner portioniert waren. Dazu aber spaeter noch mal mehr. Generell sieht der Ort eher europaeisch aus und hat eigentlich nichts mit dem restlichen Teil Perus zu tun. Gut, wir blieben ja nur fuer kurze Zeit.

Willkommen in Aguas Calientes

Tag 4:
Der grosse Tag war endlich da! Schon um 4 Uhr morgens standen wir auf und fruehstueckten schnell, um dann die Wanderroute zu Machu Picchu hochzulaufen, bzw eher zu rennen. Anstatt der im Reisefuehrer angegebenen 1,5 Stunden benoetigten wir rund 50 Minuten, um oben am Eingangstor zu stehen. Der Grund dafuer war ganz einfach: Wir wollten den Sonnenaufgang bei den Ruinen sehen. Und genau das ist uns auch gelungen!




Ziel erreicht!


Das Wetter spielte hervorragend mit, und als wir voellig erschoepft vom Aufstieg dann am klassischen Fotopunkt Machu Picchus ankamen, waren wir uebergluecklich. Spaeter folgten wir einer zweistuendigen Fuehrung durch die Anlage, bei der wir viele Informationen erhielten. Die Alien-Theorie unserer vorherigen Reisefuehrers wurde dabei von uns auch mal angesprochen, verstaendlicherweise hatte der geschulte Guide der Ruinen dafuer nur ein Lachen uebrig.



Blick auf den "Happy Mountain"


Grasende Alpaca auf dem Hauptplatz


Der Sonnentempel

Tempel der drei Fenster
Intihuatana - Eine Geraetschaft zur Bestimmung der Sonnenwende


Die Fuehrung war jedoch noch nicht alles! Trotz Muedigkeit und Erschoepfung stiegen wir vom auf 2400m gelegenen Hauptplatz Machu Picchus hinauf auf den ueber 3000m hohen Machu Picchu Montaña. Ueber eine Stunde waren wir unterwegs, und aufgrund der grossen Anstrengungen, die ich von den Wanderungen vorher in meinen Beinen spuerte, war dieser Aufstieg wohl das anstrengdste Erlebnis der ganzen Tour. Schien zu Beginn noch die Sonne, so regnete es oben bei unserer Ankunft, und wir suchten unter einem kleinen Strohdach Unterschlupf, um erst einmal auszuruhen. Meine Beine fuehlten sich sehr wackelig an, der Blick auf die nun so winzig aussehende Anlage Machu Picchus und die gesamte Umgebung aussenherum war jedoch Entschaedigung genug. 



Wir blieben einige Zeit dort oben, ehe wir wieder hinunterliefen und direkt in den Bus stiegen, der uns zurueck in die Ortschaft brachte. Dort suchten wir nun nach einem billigen Platz, um zu Mittag zu essen, da die letzte Mahlzeit nicht im Preis der Agentur inklusive war. Wie vorhin schon erwaehnt, ist das in Aguas Calientes eher schwierig. Doch im zweiten Stock der etwas versteckten Markthalle, zu der nur wenige Touristen gelangen, bekamen wir ein gutes Menu fuer 6 Soles - voellig in Ordnung also! 

Kurze Zeit spaeter ging es dann zum Bahnhof, mit einem Zug von Incarail, der von innen sehr schick mit etwas altertuemlichen Flair aussah, ging es zurueck nach Ollantaytambo.


Nach dem Bustransport nach Urubamba ging es fuer mich sofort ins Bett. Die Mueckenstiche sind zwar unangenehm, aber ich bin um eine tolle Erfahrung reicher. Es war insgesamt eine einzigartige Tour, die noch viel beinhaltete, als man es geschrieben ausdruecken kann. Wir sind alle sehr froh, uns dafuer entschieden zu haben, nicht einfach mit dem Zug zu den Ruinen und zurueck zu fahren.



Bis bald,
Euer Pascal


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